Haut die Uhren auf den Hinterkopf

„Wer Musik nur zum Spaß macht, der wird jung sterben“. So proklamieren es die Kings of Dubrock, und sind selbst der lebende Gegenbeweis dieser angeblich von Fela Kuti stammenden These. Denn ihre Musik ist ein einziger Spaß zwischen Sinnfreiheit und wohlformulierten Sätzen. Jung gestorben sind sie glücklicherweise dennoch nicht, sondern standen und tanzten quicklebendig auf der Bühne des Conne Island.

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Instrumente haben die drei kaum mitgebracht. Die Beatbastelmaschine von Viktor Marek, eine rechteckige Ukulele, auf der Ric und Vik abwechselnd kleine Soli spielen, eine Soundmaschine, „mit der Rica 7 Millionen Stimmen einstellen kann, für jede Körperzelle eine“, und eine Melodika, in die Palminger gerne reinbläst.

Ihren Stil haben sie geändert. „Wir sind jetzt etwas militanter geworden“, sagt Palminger, was sich in tarnfarbener Kleidung aller drei äußert. Eine Frauenstimme ruft „Ausziehen“. „Meinst du uns oder Wohnraum?“, fragt Palminger. „Ich bin ja für einziehen. Von mir aus könnten wir jetzt die Türen des Conne Islands zuschließen und alle zusammen für immer hier bleiben.“ Applaus.

Palminger hat noch weitere unbrauchbare Vorschläge parat. Zum Song „Uhren befummeln die Zeit“ fordert er alle auf, die eine Uhr am Armgelenk tragen, diese ihrem Vordermann auf den Hinterkopf zu hauen, weil Uhren einen fertig machten. Oder der Vorschlag, mitzusingen. „Das haben wir uns nicht ausgedacht, das ist eine internationale Idee“. Als dann wirklich alle die Melodie zum Scatman Dub mitträllern, bricht er das Ganze wieder ab. „Das ist peinlich. Nicht nur für uns, auch für euch.“

Lieber wieder tanzen. Viktor Marek, der unter anderem auch schon mit Knarf Rellöm musizierte, hat so eine ansteckende Freude an seinen Beats, dass man gar nicht stehen bleiben kann, schon gar nicht, wenn Rica Blunck dazu in verschiedensten Sprachen und schönsten Stimmlagen Sätze wie „Fick dich, Henry Maske“ intoniert. Jacques Palminger, auch bekannt als Teil des Komikertrios Studio Braun, erzählt dabei krude Anekdoten über Biere aus Früchten und Spucke unter den Rolltreppen von Paris.

„Fettuccini“ heißt das neue Album, das die drei nach dem Konzert vom Bühnenrand verkaufen. „Mondo Cherry“ hieß das Debüt, von dem nur noch ein paar Hits im Live-Repertoire geblieben sind. „Polizeihubschrauber“ zum Beispiel mit der wegweisenden Zeile: „Wenn das immer weiter geht, werden wir auch immer weiter gehen.“ Die Waffen seien schließlich da. Der Sommer auch, antwortet der neue Song MDMA. Also schießen wir uns frei!

(So ähnlich erschienen in der Leipziger Volkszeitung vom 31.8.2012)

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