Verlinkte Dinge #4 (Teenage Kicks)

Still war es hier im Blog ein paar Wochen. Das lag daran, dass ich in Brasilien war. Ein faszinierendes, aufregendes, wunderschönes, tolles Land, in dem aber auch vieles falsch läuft. Wahrscheinlich wird es hier auch noch einen persönlichen Blick auf den WM-Gastgeber geben, solange empfehle ich das Stadtgespräch aus dem SZ-Magazin. Dort werden viele Dinge angesprochen, die ich ähnlich wahrgenommen habe: Das Gefühl, wenn man überfallen wird. Die Gentrifizierung, die dort einer viel schlimmeren Vertreibung gleichkommt als hierzulande (es gibt zum Beispiel kein Mietrecht). Die Evangelikalen, die immer einflussreicher werden. Die Fußballbegeisterung allerorten und der gleichzeitige Protest gegen die WM. Die Kriminalität auf der einen Straße, die übertriebene Polizeipräsenz auf der anderen. Die Unterschiede zwischen Arm und Reich.

Aber natürlich auch die Schönheit der Strände, des Sambas und die Liebenswürdigkeit der Menschen.

Haben Sie Angst, nachts durch Rio de Janeiro zu laufen?
Garcia:
Ich schon.
Rocha: Wenn du einmal ausgeraubt worden bist, verändert es dich, egal wie cool du bist.
(…)
Garcia: Man fühlt es, stimmts? Man fühlt, wie weit der andere geht.

Kommt es vor, dass Passanten einspringen, um zu helfen?
Garcia:
Ausgeschlossen.

Warum?
Garcia:
Weil keiner wegen jemandem erschossen werden möchte, den er noch nie im Leben gesehen hat.

Eine Stadt kämpft um ihre Seele

Kein Millerntor dem DFB

Aber auch in Deutschland läuft in Zusammenhang mit den offiziellen Fußball-Bürokraten nicht alles ganz sauber. Wenn das so ist, lieber DFB, dann ja genau, lieber kein Fußball.

Publikative fasst zusammen: DFB neutralisiert “Kein Fußball den Faschisten”

Tod der Alien-Art

Heute ist H.R. Giger gestorben. Der Künstler, der quasi den Alien erfunden hat. Letztens schrieb ich für die taz über eine Ausstellung, an der er schon nicht mehr teilnehmen konnte. „Wie gestört ist dieser Mensch, dass er diese Bilder in seinem Kopf hat“, fragte eine Ausstellungsbesucherin. Eine Antwort weiß ich immer noch nicht.

http://www.taz.de/!135073/

Don’t hassel the hoff

Auf Grund des Urlaubs war ich leider auch nicht bei der re:publica. Aber ich werde mir Sascha Lobos Rede zur Lage der Nation anschauen. Ansonsten gab es noch sowohl ein #hofgate als auch ein #hoffgate. Das eine, weil nicht alle so entspannt auf dem Hof rumstehen durften wie Mario Sixtus, zum anderen weil David Hasselhoff da war (und er sang, weil alle sangen).

UPDATE: Habe die Rede inzwischen gesehen und empfehle sie hier nochmal ausdrücklich als hörenswert weiter. Dauert zwar über eine Stunde, aber die Zeit kann man sich ruhig mal nehmen, schließlich geht es ums Internet, in dem wir uns gerade alle befinden, und nicht nur um den Vogel des Jahres:

Keine Witze über Wurst

Ich habe den Grand-Prix nicht gesehen, dafür währenddessen gefühlt jede Kneipe Neuköllns von innen. Später machten alle Witze über Wurst. Aber die haben inzwischen so einen Bart. (via extra-3)

wurst

Kulturtipps:

Kinoempfehlung: Good Vibrations

Meine Rezension aus dem aktuellen kreuzer:

Zwei Minuten und zwanzig Sekunden. So lange dauert der Song »Teenage Kicks« von The Undertones, der John Peel die besten zwei Minuten seines Lebens bescherte. So sagt es der Radiomoderator in »Good Vibrations«, einem Film über die Geschichte des nordirischen Punk. Und noch vielmehr über die Liebe zur Musik.

Terri Hooley liebt die Musik. Er ist DJ, einer von diesen Typen, die auch auflegen, wenn gar keiner da ist. In den 70er Jahren in Belfast ist den Leuten nicht so nach Tanzen. Zu viele Bomben, zu viel Bürgerkrieg. Mitten in der meist umkämpften Straße der Stadt eröffnet Hooley dennoch einen Plattenladen, in dem er sich mit dem Verkauf von Hippiemusik mehr schlecht als recht über Wasser hält. Bis er den Punk entdeckt. Die rebellischen Jugendlichen verkörpern plötzlich seine Wut auf die Verhältnisse und seine Hoffnungslosigkeit. Da er nicht fassen kann, dass die Band Rudy keinen Plattenvertrag hat, bringt er sie kurzerhand selber heraus. Das Label »Good Vibrations« ist somit gegründet und wird zur wichtigsten, weil einzigsten Adresse für Punkbands in Nordirland. Und so landen auch die Undertones bei Hooley und der irgendwann in England. Und alles wird gut.

Wird es natürlich nicht. Schließlich ist hier die Rede von Punk. Und von Menschen, die sich nicht um Geld scheren, nicht um ihre schwangere Frau, nicht um Kämpfe zwischen Anhängern verschiedener Religion. Von diesem Egalsein auf der einen und der Leidenschaft auf der anderen Seite erzählt der Film die wahre Geschichte in schönem Retrolook und mit liebenswürdigen Schauspielern und brachte dem Regisseurenpaar Lisa Barros D’Sa und Glenn Leyburn einige Publikumspreise auf den Festivals der Insel. »Good Vibrations« wird auch hierzulande alle begeistern, die wissen wer John Peel ist und gleich noch mal »Teenage Kicks« auflegen.

Musikempfehlung: Dieter Meier – Out Of Chaos

Auch hier meine Rezension:

Haben Sie Angst vorm Alter? Vor der Zeit, die verrinnt, obwohl Sie sich doch noch unbedingt irgendwie selbstverwirklichen wollten? Ihnen sei Dieter Meiers erstes Solo-Album empfohlen. Mit 69 Jahren hat der Yello-Sänger sich nochmal neu erfunden, was bei ihm allerdings eher eine Alltäglichkeit sein dürfte. Der Pokerspieler, Rinderzüchter und Bioweintrinker, Bankierssohn und Unternehmer, Avantgardist und Anarchist hat gerade mit Yello den Echo für sein Lebenswerk bekommen, worauf er ankündigte, dass das ja erst die ersten 35 Jahre waren und da noch einiges kommen wird. Jetzt also erstmal die Solo-Platte, auf der offensichtlich wird, was seine Stimme außer »Oh yeah« wirklich kann. Tief klingt sie, mal traurig, mal betrunken, immer ein wenig wie Waits. Ein Album über das Chaos, wie sich auch musikalisch zeigt. Elektroexperimente, Postpunk, Blues oder Leonard Cohen-hafte Erzählsongs wechseln sich ab. Kreatives Chaos oder sowas in der Art. Auf einem spielzeugähnlichen Keyboard zum Mitsichrumschleppen hat Meier die Songs geschrieben, produziert hat der Schweizer sie unter anderem mit dem Electro-Pionier T.Raumschmiere in dessen Neuköllner Hinterhofstudio. Und schon mit dem ersten Song fragt Meier »What the hell I’m doing here?«, um sich daraufhin ein neues Bier zu bestellen. Ohne selbst eine Antwort zu wissen ereilt einem beim Hören von »Out of Chaos« immer wieder das Bedürfnis, sich in die nächste Kneipe zu begeben, um dort mit verdorbenen Matrosen anzustoßen. Aufs Leben natürlich, das gerade erst angefangen hat.

Und hier das tolle, gute Laune bringende Video. Jungs und Mädels, zieht euch Anzüge an und tanzt. I lalalala love it.

Apropos Kneipe. Ich war mit der Schlagzeugerin von Die Heiterkeit Bier trinken.

http://kreuzer-leipzig.de/2014/04/22/was-soll-die-lahme-scheisse/

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