Neues Buch: „These Girls. Ein Streifzug durch die feministische Musikgeschichte“

Ich habe ein Buch über Musikerinnen und weibliche Bands herausgebracht. Viele tolle Autorinnen und Autoren schreiben über viele tolle Künstlerinnen.

Es ist beim Ventil Verlag erschienen und hier kann man es bestellen.

Und um was gehts?

Um prägende Role Models von den 1950ern bis heute.

Vor 50 Jahren forderte Aretha Franklin »Respect«, in den Neunzigern rebellierten die Riot Grrrls und heute vermarkten Superstars wie Beyoncé eine sexy Version des Feminismus. Die Charts sind voll mit weiblichen Stimmen, doch bleiben Festivalbühnen, Musikzeitschriften und Clubnächte männerdominiert. Dabei gibt es Role Models an jeder Ecke, in jedem Jahrzehnt, in dem Frauen zu Gitarre, Mikrofon oder DJ-Software griffen.

Jede hat ihre eigenen Geschichten. Es geht um Selbstermächtigung, um Wut, um Gleichberechtigung, um Drugs and Rock’n’Roll, um Sex und Sexualität – und auch mal um Menstruation. Vor allem aber um Musik. Egal, ob Stimmen im Soul, Battles im Rap, Gitarrensoli im Rock, große Hits im Pop oder Tunes im Techno. Ganze Enzyklopädien könnten mit herausragenden Musikerinnen und weiblichen Bands vollgeschrieben werden. Dieses Buch ist eher vergnügliche Lektüre als Lexikon, doch gibt es einen vielseitigen Einblick in die feministische Musikgeschichte.

In über 100 lehrreichen, kurzweiligen und persönlichen Texten schreiben Journalistinnen und Journalisten, Musikerinnen und Musiker, Fans und Freunde über Bands, die sie prägten, über Künstlerinnen, die den Feminismus eine neue Facette gaben, über Lieblingsplatten, Lebenswerke und Lieder, die sie mitgrölen – vom Klassiker bis zum Außenseitertipp.

Françoise Cactus, Paula Irmschler, Franz Dobler, Jacinta Nandi, Klaus Walter, Christina Mohr, Bettina Wilpert, Linus Volkmann, Ebba Durstewitz, Andreas Spechtl, Jonas Engelmann, Diviam Hoffmann, Sven Kabelitz, Elke Wittich, Myriam Brüger und viele andere schreiben über Björk, Christina Aguilera, Bikini Kill, Billie Holiday, Alice Coltrane, ESG, Georgia Anne Muldrow, Kimya Dawson, Madonna, Patti Smith, Spice Girls, Terre Thaemlitz und viele weitere Künstlerinnen.

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Neues Buch „Brandgefährlich“

buchcoverGemeinsam mit Markus Nierth, dem zurückgetretenen Ortsbürgermeister von Tröglitz, habe ich seine Geschichte aufgeschrieben. Eine Geschichte, in der so viel vorkommt: Hetze im Netz,  die NPD, die die „normalen“ Bürger anstachelt, Politiker und Beamte, die feige reagieren, Medien, die retten oder nerven, und vieles mehr, was in den letzten Jahren in Deutschland dazu führte, dass die AfD erfolgreich ist und Flüchtlingsheime brennen. Eine Geschichte, die dazu aufruft, Fremdenhass entgegenzutreten.

Das Buch erscheint im September im Ch. Links Verlag. Mehr Infos hier.

Mongolen-Grill der tausend Tische

Aus der Reihe: Die zehn deprimerendsten Orte Leipzigs

Vor der Tür des Restaurants Asia Garden in Reudnitz sammelt sich eine Gruppe Halbstarker. Irgendwas mit Eastside steht in kämpferischer Schrift auf jeder ihrer Jacken. Die Ortsgruppe Ost der Hells Angels? Hat man sich irgendwie an ihnen vorbeigeschlichen, ohne auf die Fresse zu kriegen, riecht es nach kaltem Zigarettenrauch und warmen Räucherstäbchen. Der Speisesaal selbst ist riesig. Früher war das hier mal ein Lidl, woran die Größe des Raumes und die geringe Anzahl der Fenster noch erinnern. Weiterlesen

Antifa-Logik

Am 12. Dezember wollten ein paar Nazis nach Connewitz marschieren, um den linken Stadtteil in Schutt und Asche zu legen. Doch sie wurden in die Südvorstadt umgeleitet und so stark vom Gegenprotest abgeschirmt, dass sich militante Antifaschisten stattdessen eine Straßenschlacht mit der Polizei lieferten. Seitdem wird hysterisch über den Tag diskutiert. Die kreuzer-Redakteure Juliane Streich und Tobias Prüwer haben erst einmal tief durchgeatmet und sich dann gefragt:

Waren die brennenden Barrikaden und die Steinwürfe völlig sinnlos?

JA

Okay, gegen Gewalt zu sein, ist natürlich erst mal einfach. Sind schließlich alle – vom Bürgermeister, der extra ein Transparent ans Rathaus hängt, bis zum gemeinen LVZ-Leser, der extra einen Leserbrief schreibt. Da ich nun aber selten derselben Meinung bin wie der OBM und noch viel seltener der des LVZ-Leserbriefschreibers, dafür oft der von Antifaschisten, Kapitalismusgegnern und Polizeikritikern, ist es halt doch nicht so einfach. Denn dahin zielte ja die Gewalt von #le1212: gegen Nazis, gegen den Staat und seine Polizisten, gegen Banken.
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Dildo-Partys und Einkaufszettel

Mario Barth bestätigt tausende Besucher in ihrem Beziehungsalltag

17 Uhr, Freitagnachmittag. Vor der Arena in Leipzig hat sich eine lange Schlange gebildet. Menschen – die meisten von ihnen Pärchen – warten schon mal auf Mario Barth, dessen Show in drei (!) Stunden anfängt. Denn wer zuerst kommt, kann ganz vorne sitzen. Wozu?, möchte man fragen. Schließlich ist Mario Barth nicht der Typ zum Anfassen, eher „klein, dick und wenige Haare“, wie er selbst im Laufe der Show mal über älter werdenden Männer sagen wird. Ihm wollen die tausenden Besucher möglichst nahe kommen, auch wenn jedes Grinsen auf zwei Leinwänden übertragen wird. Weiterlesen

Auf ein, zwei, drei Bierchen

So sehr sich der schillernde Partyalkohol von Barfußgäßchen bis Westwerk auf den Aushängeschildern des touristischen Leipzigs breitmacht, so sehr gehören auch sie zum Stadtbild: kleine Grüppchen von Trinkern, die sich an den verschiedensten Ecken treffen. Während die einen allabendlich den Feierabend begießen, trinken sich die anderen Körper, Geist und Seele kaputt. Während die einen ihre bürgerliche Mitte behaupten, befinden sich die anderen seit Jahren im sozialen Abseits. Wer ihnen zuhört, wird feststellen, dass es den Standard-Suffi nicht gibt. Denn unter jedem Kronkorken steckt eine eigene Geschichte.

Montag, 13 Uhr. Lindenauer Markt. Die Flasche Pfeffi steht geöffnet in Griffweite; fast leer. Eine Handvoll Leute sitzt auf Bänken um den Tisch herum. Sie kommen öfter her. »Nicht jeden Tag«, betont ein Mann mit Bart und schmutzigem Basecap. Mitten auf dem Markt treffen sie sich, keine hundert Meter vom Kaufland entfernt. »Sonntags sitzen wir da hinten«, er zeigt auf eine andere Sitzgruppe. »Einraumwohnung nennen wir die.« Die Einraumwohnung befindet sich in der Nähe eines Blumenladens, auf dessen Besitzer sie nicht gut zu sprechen sind. Von »Genitalien, die Kindern gezeigt wurden« ist die Rede. Und von einem Vorfall, dessentwegen Mike jetzt eine Anzeige hat. Mike ist oft hier und gibt zu: »Ich hab den Bullen ja gesagt, dass ich dem eine geklatscht habe.« Dass die Polizei dann gleich den ganzen Lindenauer Markt abgesperrt habe, erzählt er auch. »Wenn die meinen Namen hören, fordern die erst mal Verstärkung an.« Denn einmal sei er so ausgerastet, »da brauchten die nicht mehr mit einem Krankenwagen zu kommen, da konnten die gleich einen schwarzen Wagen schicken«. Mehr will er dazu nicht sagen, die Leute würden immer so geschockt reagieren. »Ich bin eigentlich ein ganz lieber Kerl, aber wenn ich einmal in Rage komme, dann unterscheide ich nicht mehr zwischen Freund und Feind.« Heute gerät er nicht in Rage. Seit zehn Jahren war er nicht mehr im Knast. Das erste Mal war in den Achtzigern. Wegen Republikflucht. Sein Vater wollte mit dem damals 15-Jährigen im Schlauchboot über die Ostsee. Sie wurden inhaftiert, Mike kam nach Bautzen und Torgau. Sein Vater starb im Gefängnis. »Mehrere von uns hier sind Knackis.« Weiterlesen

Verlinkte Dinge #2

Die grandiose Rubrik „Verlinkte Dinge“ mausert sich in ihrer zweiten Runde immer mehr zum Wochenrückblick. Aber das muss ja nicht schlecht sein. Gerade hat Heldenstadt – die Verlinker vorm Herrn in Leipzig – das Ganze hier in die Leipzig-Blogger-Liste aufgenommen. Also wird jetzt hier gebloggt!

Krise
„Krise? Mir doch egal. Ich bin seit meinem 13.Lebensjahr in der Krise.“ Diesen schönen Satz schrieb einst Kerstin Grether und beschreibt damit ganz gut mein Verhältnis zu Krisen jeder Art. Es erschreckte mich dennoch, dass die Finanzkrise, die so viele existenzzerstörende Folgen hatte, wohl nur ein Anfang war, wie die Titelgeschichte im SZ-Magazin erklärte. Bankangestellte kaufen sich Waffen für den Moment, in dem alle die Supermärkte plündern werden. Weiterlesen

Die Beschissenheit der Dinge

Eigentlich sollte dieser Text eine überschwängliche Rezension werden. Jubelnd über das grandiose neue Album von Almut Klotz & Reverend Dabeler. Darüber, dass Lass die Lady rein ein melancholisches, manchmal fast witziges Album im Genre Kaputtes Liebeslied geworden ist. Alle Stücke mit dem Wissen gesungen, dass die Beschissenheit der Dinge ohne den anderen noch viel schwerer zu ertragen wäre, wie es in Welt retten heißt. Und man zur Not immer noch auf den Tischen tanzen kann, bis der Saal zerfällt.

Und jetzt ist Almut Klotz tot. In der vergangenen Woche an Krebs verstorben. Sie wird die Veröffentlichung ihrer Platte nicht mehr erleben und auch nicht mehr mit Reverend Dabeler auf die schon gebuchte Tour gehen.Was bleibt, sind ihre Lieder. Nun durchsucht man sie nach Zeichen, Sätzen und Wegen, die durch die Trauer helfen könnten. Und findet Trost in der Wehmut und Angst, die das neue Album prägen – stets liebevoll lakonisch vorgetragen.

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Erst in Schweden, dann im Radio

Ich war beim Way Out West Festival in Göteborg. Da war da ganz anders als bei diesen stinkigen, dreckigen, suffverseuchten Festivals hierzulande. Aber hört selbst, ich stand den Leuten von detektor.fm Rede und Antwort.  Mehr zu diesem Festival schrieb ich auch in der taz, was man  unter „No exzess,please“ nachlesen kann.